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110 Jobs in Gefahr

Busse und Bahnen

110 Jobs in Gefahr

Offener Brief der ÖPNV-Betriebsräte:
"110 Jobs in Gefahr – Kreistag riskiert Ausfälle im ÖPNV"

Das Damoklesschwert betriebsbedingter Kündigungen zum Jahresende 2020 schwebt über 110 Beschäftigten verschiedener Verkehrsunternehmen in den Kreisen Segeberg und Steinburg. Außerdem drohen Fahrgästen dann fast im gesamten Kreis Segeberg Ausfälle im Buslinien- und Schülerverkehr, wenn die Beschäftigten vorzeitig die betroffenen Unternehmen verlassen und in benachbarte Verkehrsbetriebe streben. Noch könnten die Politiker im Kreistag des Kreises Segeberg dies durch einen einfachen Beschluss verhindern. Jedoch steht dieser bislang aus. In einer Ende Oktober veröffentlichten ersten europaweiten Bekanntmachung zu einer beabsichtigten Ausschreibung fast aller Buslinien im Kreis Segeberg sah der Kreistag von der Anordnung einer Übernahme des jetzigen im ÖPNV beschäftigten Personals durch den Gewinner der Ausschreibungen ab. Sowohl Landes- als auch Europarecht ermöglichen dies ausdrücklich.

Betriebsräte der im Kreis Segeberg tätigen Unternehmen Autokraft und Rohde in Segeberg, Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein in Norderstedt und „die linie“ aus Kellinghusen richten daher den „Segeberger Appell“ als offenen Brief an alle Kreistagspolitiker. In dem Appell warnen die Arbeitnehmervertreter vor den Folgen der Bekanntmachung. Die Betriebsräte fordern die Fraktionen im Kreistag auf, die Personalübernahme zu den bisherigen Arbeitsbedingungen anzuordnen und eine niedrige Untervergabequote für Subunternehmer sowie hohe Qualitätsstandards in die Ausschreibung aufzunehmen.

Der zuständige ver.di-Gewerkschaftssekretär, Andreas Riedl, ergänzt: „Die Kommunalpolitik spielt gerade mit dem Feuer. Jetzt und in den kommenden Jahren saugen alle umliegenden Verkehrsunternehmen mit attraktiveren Bedingungen massiv das Personal aus dem Kreis Segeberg ab. Wenn den Beschäftigten hier sowieso die Kündigung und höchstens neue befristete Beschäftigung droht, dann können sie sich auch gleich in der Nachbarschaft nach besseren unbefristeten Jobs umsehen. Und ein Arbeitssuchender wird auf einem sinkenden Schiff nicht mehr anheuern wollen. Damit droht dann in 2020 ein Ausfall im ÖPNV und Schülerverkehr im Kreis aufgrund Personalmangels. Der Kreis Segeberg sollte den vorbildlichen Entscheidungen der Kreise Ostholstein, Nordfriesland, Rendsburg-Eckernförde und Steinburg folgen. Diese hatten in der Vergangenheit bereits die Übernahme des Personals angeordnet. Die Politiker können es – sie müssen es nur wollen und tun.“